Lessings Aufklärungsgedanke als Gegenentwurf in der heutigen Zeit
Die Arbeiten greifen Lessings Verständnis von Toleranz als aktive Haltung auf: die Bereitschaft, andere Perspektiven zuzulassen und im Dialog auszuhalten. In einer Gegenwart, die von Polarisierung, Unsicherheit und vereinfachenden Deutungen geprägt ist, beschäftigt mich dieser Gedanke.
Im Bildraum zeigt sich dieses Spannungsfeld durch den Kontrast zwischen dominanten, tiefschwarzen Formen und leichten, bewegten und transparenten Farbflächen. Dunkel, kraftvoll und raumgreifend, erscheinen die Elemente zugleich instabil und suchend. Sie ringen um Sichtbarkeit und Stabilität. Demgegenüber verkörpern die offenen, durchlässigen Strukturen Bewegung, Austausch und Entwicklung.
Kohle, Aquarell auf Papier, 15 x 15 cm, 2025
Spannungsfeld zwischen Naturraum und menschengemachter Transformation
Die abstrakten Zeichnungen widmen sich der Seenlandschaft als Spannungsfeld zwischen Naturraum und menschengemachter Veränderung in dem ehemaligen Tagebaugebiet der Lausitz. Die Motive verweisen auf Prozesse der Verdichtung, Erosion, Spurensicherung und Transformation. So versuche ich, die tiefgreifenden Veränderungen, die der Braunkohleabbau in die Landschaft eingeschrieben hat, darzustellen. Für mich stellt sich der gesellschaftliche Nutzen der Energiegewinnung in Frage. Mit den Motiven versuche ich darzustellen, dass Landschaft nie statisch ist, sondern stets Ergebnis politischer, ökonomischer und ökologischer Entscheidungen.
Die Seen erscheinen hier nicht als idyllische Naturbilder, sondern als Spuren eines Eingriffs, der Zerstörung und Neuentstehung zugleich darstellt. Linien, Verdichtungen und Überlagerungen erinnern an topografische Strukturen, Abtragungen und Rekultivierungsprozesse. Mit der abstrakten Darstellung versuche ich die Ambivalenz von Fortschritt zu verarbeiten: Braunkohle sicherte über Jahrzehnte Stromversorgung und industrielle Entwicklung, hinterließ jedoch irreversible Veränderungen im ökologischen Gefüge.
ZWISCHEN-SEE
35 Jahre Grafik, Zeichnung, Malerei zur menschlichen Figur
Im fortgesetzten Sehen und Zeichnen wird der menschliche Körper nicht als Motiv, sondern als Beziehung erfahrbar: zwischen Nähe und Distanz, Hand und Blick, Gegenwart und Erinnerung.
Die Linie folgt keiner Geste des Moments, sondern einer gelebten Auseinandersetzung mit dem Menschen als Figur – sinnlich, aufmerksam, ohne Behauptung.
Es geht mir weniger um das konkrete Abbild als darum, Zustände sichtbar zu machen: Zweifel, Anspannung, Fragilität oder Momente des Innehaltens. Körperhaltungen, Blicke und Zwischenräume erzählen von Erwartung oder Unsicherheit, ohne dass ich diese eindeutig festlege. Durch bewusstes Weglassen entstehen Bildräume, in denen sich eine eigenständige, nicht eindeutig definierbare Unruhe artikuliert.
Kohle/Öl auf Vorsatzpapier
28 x 28 cm / 61 x 43 cm, 2024
Kohle auf Papier
42 x 30 cm, 2025
Kohle auf Papier
30 x 41 cm, 2019
Graphit auf Papier
45 x 25 cm / 25 x 25 cm
2021 – 2022
Brandenburgischer Kunstpreis 2022, Nominierung Grafik
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